Wandgemälde mit dem Porträt des ehem. Trainers Pep Guardiola

20 Titel. Und trotzdem ist das nicht, woran man sich erinnert.

Kurz nach der WM – noch einmal Fußball.
Vor wenigen Wochen hat Pep Guardiola Manchester City verlassen. Nach zehn Jahren. Zwanzig Titeln. Und einer Abschiedsfeier, bei der 19.000 Menschen in einer Arena standen, um einem Trainer Danke zu sagen.

Was mich daran beschäftigt, ist nicht die Titelsammlung. Es ist, womit sich die Spieler bedankt haben.

Nicht für die Champions League. Nicht für die sechs Meisterschaften. Sondern dafür, dass er nicht nur Trainer war. Führungsfigur. Mentor. Für viele: Freund.

Ilkay Gündogan schreibt: „For me personally, he was never just a manager. He was a mentor, a leader and also a friend.“ Und: „What many people don’t see from the outside is the human side of Pep. Beyond football, he is incredibly humble, thoughtful and someone who genuinely cares about the people around him.“

Das ist keine Randnotiz. Das ist das Kerngeschäft von Führung.

Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Frage, was Teamsport und Leadership gemeinsam haben. Eine ist vielleicht diese: Im Sport wird am Ende einer Ära sichtbar, was wirklich gezählt hat.

Nicht das letzte gewonnene Match. Nicht die Taktik. Nicht das System. Nicht der Matchplan.

Sondern die Antwort auf eine einzige Frage: Was hat diese Führungsperson mit den Menschen gemacht, die ihr anvertraut wurden?

Alex Ferguson – selbst eine der prägendsten Führungsfiguren des Fußballs – beschreibt in seinem Buch „Leading“ genau diesen Punkt: Nachhaltiger Erfolg entsteht nicht durch das Durchsetzen einer Spielidee, sondern durch die Fähigkeit, Menschen so zu entwickeln, dass sie über die eigene Amtszeit hinaus wirken. Die Frage, die er sich immer gestellt hat, war nicht: Gewinnen wir heute? Sondern: Wer ist in fünf Jahren besser als heute – und warum?

Guardiola hat das augenscheinlich verkörpert. Teamsport zeigt etwas, das in Organisationen oft unsichtbar bleibt.

Im Sport gibt es einen klaren Abschluss. Eine letzte Saison. Ein letztes Spiel. Einen Abend, an dem 19.000 Menschen im Stadion stehen und die Frage implizit beantworten: Was hat diese Person hinterlassen?

In Unternehmen fehlt dieser Moment meist. Führungskräfte gehen – in Meetings, in Übergaben, in Pressemitteilungen. Was bleibt, zeigt sich erst später. Manchmal viel später.

Gordon Herbert beschreibt in „Die Jungs gaben mir mein Leben zurück“ dasselbe Prinzip aus einer anderen Perspektive: Es geht nie nur um die Aufgabe – sondern immer auch um die Menschen, mit denen und für die man sie erfüllt. Dieses Buch finde ich sehr wertvoll und habe hier schon einmal darüber geschrieben.

Was bedeutet das für Führungskräfte außerhalb des Sports?

Wer führt, hinterlässt einen Abdruck. In jedem Gespräch, das Mut macht. In jeder Entscheidung, die jemanden wachsen lässt. In jedem Moment, in dem jemand sagt: Ich traue dir das zu.

Dieser Abdruck zeigt sich nicht im nächsten Quartalsbericht. Er zeigt sich Jahre später – wenn jemand gefragt wird, wem er seinen Weg zu verdanken hat und auch Jahre später vielleicht noch sagt „Danke für die Chance damals!“.

Ferguson hat das gewusst. Herbert hat es umgesetzt. Guardiola hat es gelebt. Und die Reaktionen in diesem Moment des Abschieds zeigen: Die Spieler haben es gespürt. Die Frage, die ich mir beim Abschied von Guardiola stelle, ist keine sportliche. Sie lautet: Was werden die Menschen, die mit mir arbeiten, in zehn Jahren über diese Zeit sagen?

PS: Das Foto von der Hauswand habe ich im März 2023 gemacht – auf dem Weg ins Etihad-Stadion in Manchester.

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