Eine nette Überschrift
Kein Unternehmen der Welt hat je wieder Einfluss darauf, wie es mir geht.
Diesen Vorsatz habe ich mir mit Mitte zwanzig gefasst. Nach einer beruflichen Enttäuschung, die mich schwer getroffen hat. Nach jahrelangem, intensivem Engagement für meine Aufgabe wurde einer anderen Person mehr Glauben geschenkt als mir. Das hat meine Arbeitsbeziehung zerrüttet.
Ich war tieftraurig und verletzt.
Und es hat in mir einen Satz ausgelöst, der mich seitdem begleitet.
Dieser Satz hat zwei Konsequenzen, die ich in den folgenden zwanzig Jahren immer wieder eingelöst habe.
Die erste: Wenn es nicht mehr geht, ziehe ich Konsequenzen. Nicht als Drohung, nicht als Verhandlungsmasse. Sondern als echte Bereitschaft, den Weg zu beenden, wenn die Bedingungen nicht mehr stimmen.
Das hat mich irgendwann dazu gebracht, einen sehr attraktiven Job aktiv zu beenden und um Vertragsauflösung zu bitten. Es hat geschmerzt, sich zeitweise wie eine Niederlage angefühlt – und dennoch Energie freigesetzt für Neues.
Die zweite: Wenn ich Rahmenbedingungen nicht verändern kann, verändere ich meine Haltung dazu. Nicht weil das einfach wäre. Sondern weil ich entscheide, wofür ich meine Energie einsetze. Das bedeutet nicht, alles zu akzeptieren. Es bedeutet, nicht länger an dem zu reiben, was sich meinem Einfluss entzieht.
Beides zusammen ist das, was ich unter Haltung verstehe.
Nicht als Pose – sondern als Prinzip, das sich in Entscheidungen zeigen muss. Auch in den unbequemen. Auch dann, wenn es einen Preis kostet.
In dreißig Berufsjahren habe ich erlebt, wie viele Menschen in Momenten des Drucks von dem abweichen, was sie bis dahin vertreten haben. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Kalkül. Das ist menschlich – ich urteile nicht darüber. Aber ich habe für mich gelernt: Wer mit einer klaren Haltung durchs Leben geht, zahlt manchmal einen Preis. Und gewinnt dafür etwas, das sich nicht verhandeln lässt.
Das geht oder eben nicht.
Und dann gibt es noch ein sehr persönliches Drittes.
An dem Abend dieses Erlebnisses habe ich jemanden zum Reden gebraucht. Es war meine – zum damaligen Zeitpunkt – Ex-Freundin. Heute sind wir fast 25 Jahre verheiratet, haben eine wunderbare Tochter und ein einmaliges Zuhause.
Manchmal öffnet ein Ende eine Tür, die man vorher gar nicht gesehen hat.
Grenzen zu ziehen ist nicht leicht. Aber für mich unerlässlich – als Haltung und als Kompass.
