Mein Kompass: Machen. Freiheit. Verantwortung.
Wenn Sie verstehen wollen, warum mir Gestalten und Machen, Freiheit und Verantwortung so wichtig sind, dann lernen Sie hier ein wenig den Menschen Matthias Montag kennen.
Hier nehme ich Sie mit an einige Orte, die meinen „inneren Kompass“ bis heute prägen. Und wir gehen sehr weit zurück in meiner Biografie. Es gäbe sicher aktuellere Beispiele, aber ich stelle immer wieder fest: die Wurzeln sind in dieser Zeit verankert.
Grenzöffnung zwischen Wendehausen (Thüringen) und Heldra (Hessen). Und der Teenager Matthias im Gespräch mit dem Reporter der „Werra-Rundschau“.
Wendehausen
Es sind die späten 1980er Jahre. Das kleine Dorf Wendehausen im Sperrgebiet der DDR.
Hier erlebe ich von Kindesbeinen an, was es heißt, in einer Diktatur aufzuwachsen. „Geh nicht in den Wald, da wirst Du erschossen!“ war eine Warnung meiner Eltern. Gemeint ist der Wald gut 50 Meter hinter meinem Elternhaus.
Tägliche Präsenz von Grenztruppen, Polizei und Gefahr. Menschen mit Angst, offen ihre Meinung zu äußern, weil das bedeuten konnte, Hab und Gut zu verlieren und zwangsausgesiedelt zu werden. Oma und Opa brauchten einen Passierschein, Wochen im Voraus beantragt, um zu Geburtstagen zu Besuch zu kommen. Wir haben gelernt, was wir zu Hause und was wir in der Schule erzählen durften.
Die Erlebnisse und Erinnerungen an diese Zeit sind nicht abstrakt, sondern Realität.
Hier wachse ich auf. Hier mache ich meine ersten journalistischen Schritte. Hier erlebe ich die erste Transformation meines Lebens.
Freiheit endete damals am Ortsrand.
Die gewonnene Freiheit – im Sinne einer urpersönlichen Entfaltung, als Reise-, Meinungs- und Pressefreiheit ist der wertvollste Schatz meines (und anderer) Lebens.
Die Jahre der Wende erlebe ich als Jugendlicher. Solidarność, Glasnost, Perestroika. Ich erinnere mich an die Demonstrationen – in Mühlhausen, Eisenach. Den Tag, an dem das Grenzgebiet aufgehoben wurde, werde ich nie vergessen.
Diese erste Transformation habe ich nicht gestaltet – ich habe sie erlebt, als Jugendlicher, ohne Wahl. Aber sie hat mich gelehrt, was Veränderung mit Menschen macht: Sie verunsichert, bevor sie befreit. Sie fühlt sich nach Kontrollverlust an, bevor sie nach Möglichkeit aussieht. Wer heute Organisationen durch Wandel führt, kennt dieses Gefühl – auf einer anderen Ebene, aber im Kern verwandt. Vielleicht ist das der Grund, warum mich Transformation bis heute nicht abschreckt, sondern anzieht.
Wie tief diese Zeit bis heute nachwirkt, habe ich auch in dem ARD-Podcast „Wendehausen“ verarbeitet. Der Podcast setzt die Erfahrungen dieser Zeit in den Kontext des Heute.
Hier können Sie die erste Folge hören:
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Weitere InformationenHier war in den 80ern die Lokalredaktion des „Thüringer Tageblatt“ in Heiligenstadt untergebracht. Charmant, dass Jahre später zeitweise ein Laden mit „Herzensdingen“ dort eingemietet war.
Heilbad Heiligenstadt
Von meinem Patenonkel habe ich das Interesse für Fotografie übernommen und meine Onkel Guntram und Karl-Josef haben mir gezeigt, wie man schwarz-weiß-Filme entwickelt und Bilder macht. Für den privaten Gebrauch, später auch für die von mir gegründete Schülerzeitung (damals eine der ersten Schülerzeitungen in Thüringen).
Wie ich auf die Idee gekommen bin, das vielleicht die regionale Zeitung meine Fotos haben möchte, weiß ich heute nicht mehr.
Eine zweite Prägung kommt aus Heilbad Heiligenstadt. Als Kinder haben wir oft in den Ferien die Zeit bei unseren Großeltern dort verbracht.
Ich war vielleicht 14 Jahre alt.
Meine Mutter sagte einen Satz, den ich bis heute höre: „Geh doch einfach mal hin und frag. Mehr als Nein sagen können sie nicht.“ Einfach machen.
Zwei Straßen weiter war die Lokalredaktion. Das „Thüringer Tageblatt“. Ich klopfte.
Die knarzende Treppe, die verrauchte Luft, der Geruch der Archivbände – ich erinnere mich daran, als wäre es gestern.
Ernst Beck, der damalige Regionalchef, hörte mir zu und sagte sinngemäß: „Warum nicht? Mach mal.“
Diese kleine Erlaubnis hat mehr bewegt, als er damals ahnen konnte. Ich bin ihm bis heute dankbar.
Vielleicht kommt daher mein inneres Prinzip: Menschen wachsen nicht durch perfekte Pläne – sondern durch echte Möglichkeiten. Und durch jemanden, der ihnen zutraut, es zu versuchen.
Und so habe ich meine ersten Fotos veröffentlicht, die ersten Artikel geschrieben. Einige Ausschnitte habe ich aufgehoben. Die Honorarabrechnung kam per Postkarte (ich habe noch welche aus dem Jahr 1990).
Chancen geben, Möglichkeit für Wachstum, Erfahrung und Lernen schaffen. In den Jahren später hatte ich noch mehrere Male ähnliche Situationen, in denen mir die Chance gegeben wurde, mich auszuprobieren – ich habe jedes Mal beherzt zugegriffen.
Dieses Prinzip trage ich bis heute in jedes Gespräch: Nicht der perfekte Plan bringt Menschen weiter, sondern jemand, der ihnen zutraut, es zu versuchen – und ehrlich bleibt, wenn der Versuch zu scheitern droht. Was Ernst Beck damals für mich war, möchte ich heute für andere sein.
Das Foto zeigt mich als junger Reporter im Kalibergwerk Bischofferode unter Tage.
Weimar und Erfurt
Technik hat mich früh angezogen – und irgendwann fand sie ihren Weg in meinen Journalismus: über das Radio. Angespornt vom zaghaften Erfolg beim „Thüringer Tageblatt“, habe ich dem damaligen „Thüringer Rundfunk“ (Vorläufer des MDR Landesfunkhaus Thüringen) ebenfalls Themenvorschläge unterbreitet. Um diese zu realisieren habe ich mir vom Ersparten ein Reporter-Aufnahmegerät gekauft, nach der Schule Interviews geführt und am Wochenende Beiträge geschnitten.
So hatte ich bereits erste Erfahrungen, als zunächst Antenne Thüringen und dann die Landeswelle gegründet wurde. Bei beiden Gründungen war ich dabei. Zunächst als Reporter aus Nordthüringen – dort habe ich beispielsweise tagelang bei den hungerstreikenden Kalikumpel im Bergwerk Bischofferode ausgeharrt und von dort berichtet.
Aber auch als Nachrichtenredakteur und Moderator. Niemand möchte die Nachtschicht am Wochenende – klar, übernehme ich nach der Schule.
Und so habe ich noch während Abitur und Zivildienst stetig in dem Beruf dazugelernt und hatte unmittelbar nach dem Zivildienst einen Anstellungsvertrag in der Hand. Gründungsteam der Landeswelle Thüringen. Als „Thüringenreporter“ und Moderator.
Anfang 20. Jeden Tag mit dem Satelliten-Ü-Wagen in Thüringen unterwegs. Morgens, Mittags, Abends – Livereportagen aus dem ganzen Land.
Was mir dieser Job aber auch (und bis heute) deutlich gemacht hat: Wenn man Menschen wirklich verstehen will, muss man bei ihnen sein. Ihre Themen, Sorgen, Begeisterung spüren und dabei und aufnahmefähig sein. Ich war es tausende Male. Und oft habe ich darüber berichtet.
Diese Haltung hat sich nie geändert, nur das Format. Wo ich früher mit dem Ü-Wagen zu den Menschen fuhr, höre ich heute zu, bevor ich urteile. Sparring beginnt nicht mit einer Antwort, sondern damit, eine Situation wirklich zu verstehen – von innen, nicht von außen.
Berlin und Leipzig
Berlin hat mich elektrisiert. Leipzig ist Zuhause geworden. In dieser Zeit habe ich erlebt, was ein wirkliches Team möglich macht: Leidenschaft, Tempo, Streit um die beste Idee – und dieses stille Einverständnis, dass wir die Extrameile gemeinsam gehen.
Manchmal sahen wir im Hochhaus am Kudamm im Sommer den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang – am selben Tag. Und trotzdem hatten wir das Gefühl: Genau dafür lohnt es sich.
Als ich 2010 Berlin verließ, war 105’5 Spreeradio am umkämpftesten Radiomarkt Europas Platz 2 der privaten Anbieter.
Und vorausgegangen waren fünf harte Jahre mit einem der großartigsten Teams, die ich je erlebt habe. Keine Marketingaktion konnte groß genug sein („In 18 Tagen um die Welt“ oder „Wir verschenken ein Haus“) und kein Interviewpartner zu prominent. Jeden Tag wurde die „Extrameile“ gegangen.
Ortswechsel.
Im Sommer 2019 bekam ich die Aufgabe von der Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, erneut etwas Neues aufzubauen: ein kleines, schnelles Boot neben einem großen Tanker – mit Startup-Mentalität und öffentlichem Auftrag. Eine digitale Innovations-Agentur.
In kurzer Zeit wurde aus einer Idee ein Team. Und aus einem Team eine Kultur.
Zwei Jahre später haben gut 50 Kolleg:innen einen Millionenumsatz generiert und erste innovative publizistische Projekte realisiert (z. B. eine automatisierte Wahlberichterstattung für das MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt – Dank geht raus an Frank Rugullis).
Was ich dabei gelernt habe, begleitet mich bis heute: Ohne Kontext entsteht Misstrauen. Ohne Struktur entsteht Reibung. Und ohne eine klare Mission verliert selbst das beste Team Energie.
Diese drei Sätze sind kein Rückblick. Sie sind der Kern dessen, was ich heute in Sparrings einbringe – nicht als Theorie, sondern weil ich erlebt habe, was passiert, wenn einer davon fehlt.
Auf meine beruflichen Aspekte in den vergangenen Jahren gehe ich HIER ein.
Mir begegnet oft die Frage: „Und was haben Sie studiert?“ Meine ehrlichste Antwort ist: Praxis. Seit ich 15 bin, arbeite ich publizistisch, habe mir Werkzeuge vom Ersparten gekauft, Aufgaben übernommen, geliefert – und daraus gelernt.
Das ist keine Biografie. Es ist eine Haltung.
Klarheit statt Komfort. Machen statt Abwarten. Und die Überzeugung, dass die entscheidenden Schritte selten aus perfekten Plänen entstehen – sondern aus dem richtigen Gespräch zum richtigen Zeitpunkt.
Wenn Sie sich in Teilen dieser Geschichte wiedererkennen – in dem Tempo, der Verantwortung, dem Wunsch nach einem Gegenüber, das nicht nickt, sondern mitdenkt – dann sind Sie genau richtig hier.


