Warum eine FuckUpNight etwas Besonderes ist. Und Unternehmen das selten hinbekommen.

Eine meiner eindrucksvollsten FuckUpNights war 2020. Hartmut Schurig hat mich an diesem Abend sehr bewegt – und ich denke noch Jahre später an seinen Vortrag.

Er sprach offen über sein Scheitern als Unternehmer, über gesundheitliche Krisen, über das, was dabei auf der Strecke bleibt. Und er schloss mit einer Liebeserklärung an seine Frau, die ich so nicht erwartet hatte.

„Ohne ein intaktes Umfeld geht gar nichts.“

Kürzlich habe ich Hartmut wieder getroffen. Er sagte mir, die Rede war auch ein Teil seiner Vergangenheitsbewältigung. Ich bin ihm bis heute dankbar für diese Offenheit.

Das Format, kurz erklärt: Menschen berichten – ungeschönt, manchmal unterhaltsam – von persönlichen und beruflichen Rückschlägen. Kein Spin. Kein nachträgliches Framing als Erfolgsgeschichte. Lernerfolge, die anderen als Orientierung dienen. Mit Zeit für Nachfragen im Anschluss.

Das erste Learning: Ohne intaktes persönliches Umfeld geht gar nichts.

Das klingt selbstverständlich. Ist es nicht. In Gesprächen über Führung, Transformation und Leistung spielt dieser Aspekt eine erstaunlich geringe Rolle – dabei ist er oft der entscheidende.

Hartmut Schurigs Worte haben bei mir ein Umdenken ausgelöst. Seitdem stelle ich mir öfter und konsequenter diese Fragen: Wem widme ich zu wenig Aufmerksamkeit? Welche Begegnungen fehlen mir? Wie fülle ich Tage mit mehr Leben – nicht nur mit mehr Arbeit?

Das zweite Learning ist das schwierigere.

In den meisten Unternehmen scheitern Versuche, ähnliche Formate aufzusetzen – nicht am Konzept, sondern an der Kultur. Niemand ist bereit, sich im Kollegenkreis die Blöße zu geben. Fehler gelten nicht als Lernmaterial, sondern als Schwäche. Die kleinsten Erfolge werden gefeiert. Die wirklichen Lerneffekte bleiben auf der Strecke.

Marco Weicholdt, der Macher der Leipziger Fuck Up Night, bringt es auf den Punkt: „Deutschland ist der Endgegner für Formate wie die Fuckup Night.“

Ich erkenne das aus eigener Erfahrung. Die Produktion, zu der ich mich überreden ließ und die komplett gescheitert ist. Das Veranstaltungsformat, das kaum jemanden erreicht hat. Das Projekt, bei dem ich die Reißleine zu spät gezogen habe. Alles Momente, aus denen ich mehr gelernt habe als aus manchem Erfolg.

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch ein Format. Sie entsteht, wenn die Person mit der meisten Macht im Raum als erste von einem eigenen Fehler erzählt – und dabei nicht auf Applaus wartet.

Solange das nicht passiert, bleibt jeder interne Versuch einer Fuck Up Night genau das: ein Versuch.

Wer mehr von Hartmut Schurig hören möchte: In einer Podcast-Folge des Podcasts „Feuer und Flamme Mindset“ erzählt er von seinen Erfahrungen – etwas weniger emotional, aber genauso direkt.

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